Jederzeit für das nächste Selfie bereit sein müssen — ein Trend, dem man sich kaum entziehen kann. Für Jugendliche ist es besonders schwer, sich dem Schönheitskult zu entziehen, ohne dabei zum Aussenseiter zu werden. Auch der Körper hat sich dem gängigen Ideal zu beugen. Plötzlich wird der Grat zwischen Selbstoptimierung und Schlankheitsbeziehungsweise Muskelwahn sehr schmal.

Unzufriedenheit ist normal

«Dass sich Jugendliche mit ihrem Körper auseinandersetzen und damit teilweise unzufrieden sind, ist normal», erklärt Birgit Schmid, Psychologin bei der telemedizinischen Gesundheitsberatung santé24. «Mit den körperlichen Veränderungen in der Pubertät rückt das eigene Aussehen ins Zentrum und wird kritisch hinterfragt. Gleichzeitig vergrössert sich der Wunsch nach mehr Selbständigkeit. Anders als in vielen anderen Situationen haben Jugendliche die volle Kontrolle über ihren eigenen Körper, indem sie beispielsweise viel Sport treiben oder sich Regeln beim Essen auferlegen.» Wenn die Tochter oder der Sohn eine Diät machen möchte, muss das allerdings noch nicht gleich heissen, dass das Kind eine Essstörung entwickelt. Wichtig ist, dass Eltern in Kontakt mit ihren Kindern bleiben und Möglichkeiten für ein Gespräch anbieten. «Eltern sollten die Anliegen und Gefühle von heranwachsenden Erwachsenen ernst nehmen. Verständnis und emotionale Unterstützung sind dabei wichtiger als sachliche Erklärungen und Überzeugungsversuche», erklärt Birgit Schmid. «Sie können die Gelegenheit nutzen, ausgewogene Ernährung und gesundes Bewegungsverhalten zum Familienthema zu machen.»

Essstörungen interdisziplinär behandeln

Grundsätzlich sollten Eltern ein neues Essverhalten bei Jugendlichen erst einmal nicht überbewerten. Hellhörig sollten sie werden, wenn ihr Kind viel Gewicht verliert, sich ungewöhnlich oft wiegt, weniger isst und Mahlzeiten vermeidet, sich exzessiv mit der Ernährung auseinandersetzt, Zusatzstoffe für Muskelaufbau oder zur Fettverbrennung zu sich nimmt, trotz schlanker Statur unzufrieden mit dem eigenen Gewicht ist, sich nach Mahlzeiten lange im Badezimmer aufhält oder gar Würgegeräusche hörbar sind. Bei Mädchen ist auch das Ausbleiben der Menstruation ein Alarmsignal.

Birgit Schmid rät in solchen Situationen zu professioneller Hilfe. Denn ein gestörtes Essverhalten birgt körperliche und psychische Langzeitrisiken: «Je früher eine Essstörung erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Heilungschancen.» Die Behandlung einer Essstörung erfolgt koordiniert zwischen Kinder- oder Hausarzt, Ernährungsberatung und Psychotherapie. Letztere kann für die Eltern eine grosse Unterstützung sein. «Die Krankheit ist oft für die gesamten Familienmitglieder sehr belastend. Sie möchten helfen und fühlen sich dabei hilflos, sind verzweifelt und überfordert», erklärt Birgit Schmid. Im Dialog mit einem Psychotherapeuten erhalten Eltern Tipps zum Umgang mit der Situation und dem oder der Betroffenen.

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