Eine Massage vermag Spannungen zu lösen. Nicht nur physische, sondern auch psychische: Stress, Sorgen und Ängste lassen sich durch gezielte Berührungen lindern. Masseurin Daniela Zaugg schildert im Interview mit SWICA, warum massieren auch Kopfsache ist, was das Nervensystem mit Faszien und Säbelzahntigern zu tun hat und wie Verspannungen mit Gedanken gelöst werden.
Das hat mit den Effekten auf das Nervensystem und mit den Faszien, welche unsere Muskeln und Knochen zusammenhalten, zu tun. Emotionen haben einen Einfluss auf eben diese Faszien. Sie verkleben sich, wenn wir beispielsweise gestresst sind. Durch die gezielte Behandlung am Körper werden diese physischen Blockaden gelöst – indirekt wird dadurch das Nervensystem heruntergefahren. Darüber hinaus wird bei einer Massage das Glückshormon Endorphin freigesetzt. Stress wird reduziert und wir beruhigen uns.
Ich bin davon überzeugt, dass die meisten körperlichen Beschwerden – äusserliche Einflüsse natürlich ausgeschlossen – mentalen Ursprungs sind. Die psychische Reaktion auf einen bestimmten Umstand hat fast immer einen Einfluss auf unser körperliches Wohlbefinden.
Eine typische Bürosituation: Wer gestresst ist, verkrampft sich und sitzt angespannt am Arbeitsplatz. Eine Lösung wäre, dem Umstand mental entgegenzuwirken und einen Selbstheilungsprozess in Gang zu setzen. Konkret in diesem Beispiel wäre es hilfreich zu erkennen, dass man nicht wegen der vielen Arbeit verspannt ist, sondern wie man mental auf die Arbeitslast reagiert.
Absolut. Das erlebe ich selbst regelmässig bei meinen Patientinnen und Patienten. Nur schon durch die Terminbuchung und den Entscheid, sich etwas Gutes zu tun, wird dem Körper ein Signal gegeben, dass er sich entspannen darf. Zudem zeigt es sich auch in meinen Life Coachings regelmässig, dass sich über das Lösen von mentalen Blockaden auch der Körper entspannt.
Meditationen sind ein gutes Werkzeug. Sich morgens fünf Minuten Zeit nehmen, bewusst im Tag ankommen und mit positiven Gedanken starten, kann bereits helfen. Atemtechniken und auch Tapping auf Akkupressurpunkten, die sogenannte Emotional Freedom Technique, wirken ebenfalls beruhigend auf das Nervensystem und können blockierende Gedanken lösen. Zudem sind Yoga- oder Pilates-Übungen hilfreich. Man muss dazu kein Profi sein, vieles davon kann man mit einfachen Anwendungen alleine zuhause machen.
«Ich bin davon überzeugt, dass die meisten körperlichen Beschwerden – äusserliche Einflüsse natürlich ausgeschlossen – mentalen Ursprungs sind.»
Das unwillkürliche, vegetative Nervensystem – der Sympathikus – sorgt dafür, dass wir in bedrohlichen Situationen überlebenswichtigen Stress verspüren. Wenn Höhlenmenschen einem Säbelzahntiger gegenüberstanden, aktivierte sich der Sympathikus: Anspannung, Stress-Hormone auf Hochtouren, reduzierte Verdauung und hoher Blutdruck.
Der Sympathikus funktioniert noch immer gleich. Unser Körper ist in der Evolution stehengeblieben, die Welt hat sich viel zu schnell verändert. Wir sind anderen Stressfaktoren ausgeliefert, E-Mails sind die neuen Säbelzahntiger: Eine Nachricht poppt auf und unser erster Gedanke ist, dass etwas von uns gefordert wird und wir reagieren müssen.
Eine Depression setzt Betroffene körperlich und psychisch zurück, weil die Aussenwirkung zu viel wird. Eine Massage kann den Körper und das Nervensystem insofern beruhigen, dass sie Reize von aussen wieder aufnehmen können – zumindest bei leichteren Fällen. Ist jemand jedoch in klinischer Behandlung oder in einer schweren Depressionsphase und der Körper komplett heruntergefahren, kann eine Massage allenfalls zu viel sein. Auch bei der Kombination Antidepressiva und Massagen ist Vorsicht geboten. Erstere beeinflussen den Stoffwechsel – eine Massage kann unter Umständen negative Effekte, beispielsweise an den Lymphknoten, begünstigen. Daher sollte immer eine vorgängige Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen.
Während Berührungen entsteht über Sensoren in unserer Haut ein entspannender Effekt. Das geschieht dann, wenn uns die andere Person sympathisch ist – Vertrauen ist essenziell. Man kennt das auch von guten Freundinnen und Freunden: Je länger man sich umarmt, desto wohler fühlt man sich, weil Glückshormone ausgeschüttet werden. Bei Massagen funktioniert das ähnlich.
Ein Massagetermin ist eigentlich eine komisch Sache: Man geht zu einem fremden Menschen und als erstes zieht man sich aus. Dass Patientinnen und Patienten bei ihren ersten Terminen teilweise unsicher sind, ist verständlich. Um dem entgegenzuwirken, versuche ich in Vorgesprächen Sympathie herzustellen. Ich will erst den Menschen kennenlernen, bevor ich ihn massiere: Warum ist er hier? Was ist seine Geschichte? Es ist mir jedoch auch wichtig, von meinen Behandlungsmethoden zu erzählen, damit die Patientinnen und Patienten wissen, was sie erwartet.
Wenn ein Raum nicht passend eingerichtet ist, störende Musik läuft und es zwischenmenschlich nicht funktioniert, dann entsteht bei der Patientin oder dem Patienten eine Zurückhaltung. Es herrscht kein Vertrauen und somit auch keine Entspannung. Wenn das Setting jedoch passt, dann hat das eine positive Auswirkung auf den Geist und den Körper.
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