Kaum stehen die Skis im Keller, werden die Wanderschuhe geschnürt. Wer die ersten Touren im Frühling unternimmt, muss sich mit einigen naturbedingten Risiken auseinandersetzen – der Nachhall des Winters, unbeständiges Wetter oder tierische Gefahren müssen Teil einer besonders sorgfältigen Planung sein.
Der Frühling erwacht und mit ihm beginnt die Wandersaison. Wer bereits im Frühjahr enthusiastisch abgelegene Gipfel ins Visier nimmt, sollte dies mit Bedacht tun. Denn auch wenn sich im Mittelland und in den Bergtälern die Natur bereits von ihrer grünen Seite zeigt und Sonnenstrahlen Wärme schenken, herrschen in höheren Lagen oft noch immer winterliche Bedingungen. Und diese bergen reelle Naturgefahren. Doch nicht nur diese Umstände können eine Wanderung im Frühling erschweren.
In der Natur birgt jede Jahreszeit – insbesondere in den Bergen – ihre einzigartigen Tücken. Der Frühling ist nicht grundsätzlich gefährlicher als der Sommer, Herbst oder Winter. Vielmehr gilt es, sich den natürlichen Umständen bewusst zu sein. Wer darauf achtet und Wanderungen sorgfältig plant, kann auf einer Frühlingstour das Erwachen der Natur hautnah miterleben und die Transformation aus dem Winter in allen Facetten wahrnehmen.
Abhängig von der Wetterentwicklung muss im Frühling bereits ab ungefähr einer Höhe von 1‘000 Metern über Meer mit Schnee gerechnet werden. Je nach Niederschlag während der kalten Jahreszeit und Topografie – beispielsweise nordseitige Bergflanken oder schattige Couloirs – können sich Schneefelder bis tief in den Sommer halten.
Neben der Rutschgefahr beim Begehen von verschneiten Wegen sind vor allem Nasslawinen nach wie vor möglich. Das bedeutet, dass einerseits das Lawinenbulletin vorab geprüft werden sollte und je nach Gelände zum sicheren Vorwärtskommen Steigeisen oder Grödel und Gehstöcke in den Rucksack gehören.
Besondere Vorsicht ist auch bei sogenannten Schneebrücken geboten: Unter ihnen verlaufen oft Schmelzwasserrinnen oder Bäche, die den Schnee aushöhlen. Beim Überqueren droht ein Einbrechen. Solche Gefahren sind von aussen nur schwer zu erkennen.
Sofern Schneefelder begehbar sind, kommen die Faktoren Zeit, Orientierung und Ermüdung ins Spiel. Unter der Schneemenge sind meist weder Wege noch Markierungen erkennbar und das Vorwärtskommen ist in der Regel anstrengender und aufwändiger. Ein Zeitpuffer für die Tour – auch für genügend Pausen – ist elementar.
Schnee ist in (vor-)alpinem Gelände eine Gefahrenquelle, aber auch Wasser kann sich zur Bedrohung entwickeln. Das viele Schmelzwasser lässt kleine Rinnsale teils rasend schnell zu reissenden Flüssen anschwellen. Das ist vor allem bei Schluchtenwanderungen relevant. Aber auch vermeintlich unscheinbare Bachquerungen können zum unpassierbaren Hindernis werden – da nützt dann oft nur ein Umweg oder die Umkehr.
Im Frühling herrscht oft unbeständiges Wetter. Es kann sein, dass der Start bei angenehmen 20 Grad erfolgt, das Thermometer in der Höhe aber in Richtung Nullgradgrenze sinkt. Daher ist es ratsam, sich nach dem Schichtenprinzip zu kleiden und auch eine Wärmejacke, Handschuhe und Kopfschutz einzupacken.
Und auch Gewitter können zu der Jahreszeit bereits aufziehen: ein Regenschutz ist hilfreich, während eines Unwetters nicht zu exponiert am Berg unterwegs sein ist essenziell. Die stabilsten Wetterverhältnisse herrschen im Frühling meist am Vormittag, daher ist ein früher Aufbruch vorteilhaft.
Eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor gehört ebenfalls ins Gepäck, da die Haut kaum an die kräftiger werdende Sonne gewöhnt ist. Eine Sonnenbrille schützt entsprechend die Augen – gerade dann, wenn stark lichtreflektierender Schnee auf der Wanderroute liegt.
Viele Angebote in den Bergregionen öffnen erst spät im Jahr oder befinden sich im Frühling in Revision. Gerade bei längeren Wanderungen ist es daher ratsam, vorher zu prüfen, ob Hütten oder Bergbahnen bewirtet respektive in Betrieb sind. Hierbei stützt man sich am besten auf offizielle Quellen wie beispielsweise die Webseite der Tourismusregionen oder das Hüttenportal des SAC.

Wer sich ausschliesslich auf einer Höhenlage bewegt, auf der es grün und mild ist, wird mit einem weiteren Aspekt konfrontiert: Die meisten Wanderwege werden über den Winter nicht oder nur wenig unterhalten. Sie können ausgewaschen sein und sind oft von Blättern oder Ästen bedeckt, die den tatsächlichen Untergrund überdecken. Obendrein besteht akute Ausrutschgefahr.
Falls ein Wanderweg nicht begehbar ist, wird er auf den offiziellen Landeskarten der Schweiz markiert – dies geschieht übrigens über das ganze Jahr. Etwas unscheinbarer als zerfurchte Wanderwege sind Zecken, die in Gräsern und Gebüschen lauern – und die sich insbesondere im Frühling und Herbst aktiv zeigen. Lange, eng abschliessende Kleidung sowie Insektenschutzmittel schützt vor den Parasiten. Details zu den lästigen Tierchen und wie man im Falle eines Bisses vorgeht, gibt es auf der Zeckenseite von SWICA.