Mammographien, Bügel-BHs und Deos – sie alle sollen Krebs verursachen. Wir nehmen häufige Brustkrebsmythen unter die Lupe und haben bei Dr. med. Carola Lambelet, Gynäkologin bei santé24, nachgefragt.
«Mammographie in der Schweiz verboten» heisst es auf TikTok, Instagram und Co. Auch weitere Länder würden die Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust zwecks Früherkennung von Krebserkrankungen aktuell nicht erlauben. Das ist allerdings falsch – genauso wie Behauptungen, dass eine Mammographie das Brustkrebsrisiko erhöhe. Wir haben bei Dr. med. Carola Lambelet nachgefragt. Die Gynäkologin von santé24 entlarvt diese und weitere häufige Brustkrebsmythen.
Mythos 1: Mammographien erhöhen das Risiko für Brustkrebs
Bei der Mammographie handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung, deren Strahlenbelastung gemäss Kritikern das Brustkrebsrisiko erhöhen soll. Das ist gemäss Lambelet falsch: «Die Strahlenbelastung bei einer Mammographie liegt bei 0,2 Millisievert pro Untersuchung, was deutlich weniger als die natürliche Strahlenbelastung des Menschen (4,3 Millisievert) durch die Umwelt ist. Die Vorteile der Mammographie, gerade bei Karzinomherden mit Mikrokalk, überwiegen vor allem dank der hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards die Risiken deutlich.»
Mythos 2: Mammographien sind in der Schweiz und im Ausland verboten
Dass verschiedene Länder, darunter die Schweiz, die Mammographie wegen der angeblich gefährlichen Strahlenbelastung verboten hätten, ist ebenfalls unzutreffend. Gemäss der Krebsliga ist die Mammographie weiterhin die wichtigste Methode zur Brustkrebsvorsorge. Für Frauen zwischen 50 und 74 Jahren übernimmt SWICA alle zwei Jahre die Kosten für eine Mammographie. Erfolgt dies im Rahmen eines Programms zur Früherkennung von Brustkrebs, werden die Kosten ohne Anrechnung an die Franchise übernommen. Das Verfahren ist auch im europäischen Ausland nicht verboten.

Dieses Gerücht hält sich seit Jahren: Einschneidende Bügel von zu kleinen BHs würden die Lymphbahnen der Brust abklemmen und so den Abtransport von schädlichem Zellabfall behindern, was wiederum das Krebsrisiko erhöhe. Die Behauptung basiert auf dem 1995 erschienenen Buch «Dressed to Kill – The Link between Breast Cancer and Bras» (nur auf Englisch erschienen).
Nein, wenn Brustkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, liegt die Heilungschance bei 99 Prozent. Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen sind daher unerlässlich. Darum unterstützt SWICA Frauen mit Leistungen aus der Grundversicherung und den Zusatzversicherungen aktiv bei der Brustkrebsprävention und engagiert sich für Initiativen wie Pink Ribbon Schweiz und Pink Cube.
Was wirklich wichtig ist, wenn es um Brustkrebs und dessen Vorsorge geht, gibt es hier nachzulesen.In eine ähnliche Richtung wie die These, dass Übergewicht Brustkrebs begünstigt, geht auch die Aussage, dass grosse Brüste ein Risikofaktor für Brustkrebs seien. Tatsächlich gibt es bei diesen Fragen aber kein klares Ja oder Nein, so Lambelet: «Nach der Menopause begünstigen stark erhöhtes Körpergewicht, eine ungünstige Fettverteilung mit einem hohen Bauchfettanteil sowie Bewegungsmangel die Entstehung von Brustkrebs und einen schlechten Verlauf der Krankheit. Rund ein Viertel aller Brustkrebsfälle bei Frauen nach der Menopause geht auf Übergewicht und Adipositas zurück. Fettgewebe, insbesondere das Bauchfett, ist sehr stoffwechselaktiv, begünstigt Entzündungen und produziert neben Wachstumshormonen auch Östrogene. Insbesondere nach den Wechseljahren, wo der natürliche Östrogenspiegel normalerweise niedrig ist, kann Adipositas einen Überschuss an Östrogen verursachen, der im Brustgewebe zu unkontrolliertem Wachstum von Zellen führen kann. Anders ist es vor der Menopause: Da scheint ein erhöhter BMI-Wert gemäss dem Deutschen Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft vor Brustkrebs zu schützen. Übergewicht in jungen Jahren ist dennoch ungesund, da das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes steigt.»

Eine Studie aus dem Jahr 2017 rückte aluminiumhaltige Deodorants in den Fokus. In Innsbruck wurden mehr als 200 Brustkrebspatientinnen sowie 200 gesunde Frauen zu ihrem Deodorantgebrauch befragt. Ausserdem entnahmen die Forschenden Gewebeproben, um den Aluminiumgehalt zu analysieren. Es zeigte sich, dass Frauen, die regelmässig Deodorants verwendeten, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko und eine höhere Aluminiumkonzentration im Brustgewebe aufwiesen.
